Es läuft so EINIGES schief in diesem Land! #lehrermangel

Kein Lehrermangel in Sachsen!

Vor ein paar Tagen stolperte ich über einen Bericht in der Süddeutschen Zeitung. Dort wird eine Statistik aufgeführt die mich doch sehr aufhorchen ließ. Dort wird behauptet, dass in Sachsen zum Schuljahresbeginn 17/18 keine Lehrer fehlten.
Den Lehrermangel gibt es also gar nicht? Alle Stellen sind besetzt?

Das ich nicht lache! *böseguck*

Ich habe gleich angefragt wo sie denn bitte DIESE Statistik her haben. *händeindiehüftestemm*

Ich bin SEHR gespannt auf die Antwort! *ungedultigmitdemfusstipp*

Da haben wir ja wohl andere Erfahrungen an unserer Dresdner Grundschule gemacht. Berichtet habe ich davon hier. Und was sich anschließend so um mich herum alles auftat macht mich so wütend, und lässt mich ahnen wo diese Zahlen herkommen.

Die Presse

In erster Linie sind die regionalen Medien auf das Thema angesprungen und hatten uns Eltern die auf die Barrikaden gingen und sogar Unterricht übernommen haben am Samstag fast alle auf der Titelseite. Das ARD Morgenmagazin war da und drehte aber in der Schule des Nachbarstadtteiles, weil bei uns einfach niemand Zeit hatte. Wir waren ja froh, das alle Kinder beaufsichtigt wurden. An Unterricht war gar nicht zu denken. Unser Rektor mit einer Klasse auf Klassenfahrt war die Rektorin der Nachbarschule so lieb sich statt dessen vor die Kamera zu stellen. Auf meinem Anrufbeantworter dann die Redaktion einer sehr großen und bekannten Zeitschrift. Ich führte mit zwei Journalistinnen Telefoninterviews und erfuhr, dass es einen vor Ort Termin mit dem Rektor unserer Grundschule geben sollte. Ich war gespannt.

Inzwischen bei meiner Zahnärztin

Mit der hatte ich mich schon oft über das Thema unterhalten. Ihr Sohn ist  genau zwischen meinen beiden Jüngsten und wir unterhalten uns irgendwie immer wieder über das Thema. Sie hatte vor meinem Blogbeitrag schon vom Zustand an unserer Schule erfahren und erzählte mir beim nächsten Termin (ja ich bin sehr oft bei Ihr *hmpf*) von einem Gespräch mit einer Lehrerin an Ihrer Grundschule. Dort war nach den Zeitungsberichten das Thema Lehrermangel natürlich auch in aller Munde und meine Zahnärztin hatte erwähnt, dass sie mich kennt und davon schon wusste. Da meinte die Lehrerin nur: „Dafür wird der Rektor noch mächtig Ärger bekommen. Das hätte er nicht machen dürfen. Also unsere Rektorin behält sowas hier schön für sich und hängt das Problem nicht an die große Glocke!“

So ein Quatsch, meinte ich, wir Eltern haben ja die Welle gestartet. Da kann der Rektor ja nichts für. Die Zahnärztin meinte, dass sie vermutlich meinte, dass er sich der Presse gegenüber geäußert hatte. Ich verstehe aber auch nicht, warum eine Rektorin das Problem des Lehrermangels für sich behält. Hat sie Angst, dass man IHR das Problem ankreidet? Hat man als Rektor die Verantwortung zu tragen wenn Lehrer fehlen. Es ist doch die Sächsische Bildungsagentur die es erst in der Vorletzten Ferienwoche der Sommerferien schafft bekanntzugeben welche Schule welche und wie viele Lehrer bekommt. Da kann doch ein Rektor nichts für. Diese Einstellung kann ich einfach nicht begreifen.

Unser Rektor

Neulich traf ich beim Abholen des Sonnenscheins zufällig den Rektor auf dem Flur und fragte, wie denn der Termin mit der Zeitschrift war. -> Den hatte er abgesagt.

Und durch einen Zufall erfuhr ich nun, dass er in die Bildungsagentur „geladen“ worden war. Auf meine freche und direkte Nachfrage ob man Ihm einen „Maulkorb“ verpasst hätte, bekam ich natürlich ein „NEIN“! Aber mal ganz ehrlich, was soll er auch sonst sagen. *augenroll* Ich könnte wetten, dass dem dann doch so war.

Auf meine Nachfrage ob denn nun was passiert sei, erfuhr ich, dass nun alle Stellen offiziell besetzt sind. Zum ersten Mal durften Schulen in einem „offenen Verfahren“ selber „Lehrer“ einstellen und mussten nicht über die Bildungsagentur gehen, sondern direkte Einstellungsgespräche führen. Wir bekommen nun einen Forstwirt und eine Malerin.

Die Quereinsteiger

„Offiziell besetzt“ heißt nun also raus aus der Statistik. Das heißt vermutlich auch, die sächsische Bildungsagentur hat uns als Fall nun abgehakt. Wir benötigen keine weiteren neuen Lehrer. Die Lücken wurden mit Quereinsteigern geschlossen.

Bisher dachte ich Quereinsteiger würden fachspezifisch unterrichten. Also die Chemikerin unterrichtet Bio und der Biologe eben Bio. Und so war mein Gedanke, dass der Forstwirt und die Malerin nun Ihre obligatorischen 3 Monate „pädagogischen Grundwissens“ erlenen und an unserer Grundschule nun Kunst und Werken übernehmen, damit die jahrelang ausgebildeten Lehrer sich um die Hauptfächer wie Deutsch, Mathe, Sachunterricht und Englisch kümmern können. Aber ich Dummerchen! *vordiestrirnschlag* Nein, die Quereinsteiger machen auch alles. Und bei der Klasse des Sohnes der Zahnärztin inzwischen auch die Klassenleitung.

Da kann ich echt nur wieder hysterisch lachen, dass in der Klasse des Spanienkindes vor 3 Jahren versucht wurde die Mathelehrerin rauszumobben. Die hätte schließlich auf Lehramt fürs Gymnasium studiert und hätte an einer Grundschule nichts zu suchen. Is klar! Die war aber wenigstens Lehrerin! *aufreg*

Versteht mich nicht falsch! Ich habe eigentlich nichts gegen Quereinsteiger. Ich glaube das sich sehr viele Mühe geben und um einiges Motivierter sind, als die ausgebrannten Lehrer, die vor Ihrer Rente stehen oder einfach nur „total verheizt“ wurden. Sehr viele sind vermutlich sehr viel weniger weltfremd, als die vielen Lehrer die ich inzwischen kennenlernen durfte.
Aber ich befürchte, dass sich eben Viele gar nicht klar darüber sind was heutzutage in großen Klassen mit hyperaktiven, respektlosen und wohlmöglich inklusionsbeorderten Schülern los ist. Ich hätte ja gerne mal eine Statistik wie viele dieser Quereinsteiger die ersten zwei Jahre wirklich überleben und sich nicht schnell wieder in der Wirtschaft bewerben.

Meine Schwägerin, Grundschullehrerin in NRW, arbeitet als Mutter von 3 noch kleinen Kindern mit verkürzter Stundenzahl und hat nun trotzdem eine Klassenleitung übernehmen müssen. Sie hat keine Ahnung wie sie das schaffen soll. „DAS hat man dann davon, dass man verbeamtet wurde!“

Das Kultusministerium

Die Kultusministerin in Sachsen ist übrigens letzte Woche zurückgetreten. Ihre Erklärung kann man, oh wie modern, auf Ihrem ministeriumseigenen Blog lesen.
Ob das wirklich KEIN Zufall ist???

Ich bin auf jeden Fall SEHR gespannt wie es weitergeht. Stay tuned.

In diesem Sinne: Wem soll man denn noch glauben?

Und dann betrifft es plötzlich Dich und Dein Kind! … #Lehrermangel #sachsen

Ja wir hören alle Radio! Ja wir wissen alle, das an vielen Schulen in vielen Bundesländern Lehrer fehlen! Da wird mit Zahlen jongliert, da werden Aufrufe laut, Petitionen werden gestartet, und das jedes Jahr nach den Sommerferien. Immer wieder! Aber das was man so hört, ist ja meistens so weit weg wie die Ebola-Epedemien in Afrika.

Ich habe alle 3 Kinder in der Schule, aber die beiden Großen sind auf einer privaten Schule, da gibt es keinen Unterrichtsausfall und unsere Grundschule hatte bisher auch Glück, bzw. sehr engagierte Lehrer und einen vorausplanenden Rektor. Seit die Schule 1992 als Grundschule wieder eröffnet wurde gab es noch nie ein solches Problem.

Nun hat es aber auch uns getroffen

An unserer zweizügigen Grundschule im Süden von Dresden fehlen Lehrer! Und zwar nicht Fachlehrer, die in den unterschiedlichen Klassen zusätzlich Sachen wie Sport, Musik und Werken unterrichten. NEIN! Es geht erstmal allgemein um Lehrer für jede Klasse! Gestern standen für die 8 Klassen nur 5 Lehrer zur Verfügung.

Da gerät die Tatsache, dass wir in den ersten 2 Wochen gar keine Bücher und Arbeitshefte hatten doch gleich wieder in Vergessenheit. *hysterischkicher*

2 Lehrer sind Langzeitkrank und es ist nicht abzusehen ob und wann diese wiederkommen und es gibt seit Monaten keinen Ersatz.
2 Lehrer sind in Rente gegangen und wurden bisher einfach noch nicht ersetzt (so ein Ruhestand kommt ja auch TOTAL überraschend!!! *ironischgrinsundhändeindieluftschmeiss*).
Mehrere Lehrer fehlen wegen Krankheit, was aber absolut kein Wunder ist, denn schon in den letzten Jahren mussten die vorhandenen Lehrer so viele Stunden der jeweils fehlenden Lehrkräfte übernehmen, dass inzwischen alle auf dem „Zahnfleisch kriechen“.

Eine 4. Klasse hat in diesem Schuljahr (welches nun in der 4. Woche läuft) bisher keinen Klassenleiter, wurde bereits mehrfach in die anderen Klassen aufgeteilt, damit sie überhaupt betreut sind und nicht Zuhause bleiben müssen. Sie hatten dafür aber in der gesamten Zeit nur eine einzige Stunde Deutsch.
So soll man dann auf die Bildungsempfehlung vorbereitet werden!?!?!?

Für die gesamte Schule können keine Stundenpläne geschrieben werden, weil einfach gar nicht genügend Lehrer da sind um Unterricht nach Stundenplan abzuhalten.

Unsere Jüngste hat in der 1. Klasse derzeit also ausschließlich Unterricht bei Ihrer Klassenlehrerin, die sich Ihren Stundenplan ausdenken kann. Sport konnte nicht stattfinden weil 2 Klassen draußen herumtobten, da sie ohne Lehrer waren. Der Unterricht findet dann entsprechend konzentriert statt, weil da draußen 56 Kinder herumtoben dürfen. Der Musikunterricht findet heute in der Aula mit der Parallelklasse statt, da hat man sich dann einen Lehrer gespart.

Klassenzimmertüren bleiben geöffnet, denn die Lehrerin ist für die Nachbarklasse ebenfalls zuständig, da die sonst unbeaufsichtigt wären.

Während ich das hier tippe bekomme ich (als Vorsitzende des Elternrates) die Info, das heute Eltern aus der 4. Klasse die Betreuung übernommen haben! Es gab nämlich nur 3 Lehrer für die 8 Klassen. Erst durften die Schüler 2 Stunden im Computerkabinett am PC Mathe üben, dann gab es Sport und anschließend dann Deutsch in Eigenarbeit.

Und was macht der Rektor? – Er stellt einen Antrag nach dem Anderen! Er lädt die zuständigen Personen zu sich ein und zeigt Ihnen wie es läuft. Er kommt nicht zu seinem eigentlichen Job, da er so viel wie möglich Stunden auffängt und unterrichtet. Er fährt mit auf Klassenfahrt, denn die müsste sonst ausfallen.

Und was macht das Schulverwaltungsamt? –  Die reißen sich den A… auf um die Schulen wenigstens halbwegs zu versorgen. Aber woher sollen sie die Lehrer nehmen, wenn es keine gibt?

Und was macht die Politik? – NICHTS! Und das schon seit Jahren! Wenn man Onkel Google fragt wieviel Petitionen es zu diesem Thema schon gegeben hat im ganzen Land …. frag lieber nicht! 🙁

Warum kann man denn nicht eher planen?

Schon seit Jahren frage ich mich warum das jedes Jahr so schlecht läuft! Dass Lehrer in Rente gehen ist doch schon jeweils lange bekannt. Warum kann nicht dann schon mal für Ersatz gesorgt werden? Die angemeldeten Schülerzahlen der Schulen stehen im Mai/Juni fest (was mit Verlaub auch bereits früher entschieden werden könnte, denn anmelden tun wir Eltern sie bereits im September des Vorjahres!) und somit auch der Bedarf an Lehrern!

Der Rektor bekommt in der vorletzten Ferienwoche aber überhaupt erst mitgeteilt welchen Lehrer er behalten, bzw. welche Lehrer zu Ihm neu hinzukommen. Ab und zu müssen sich Schulen die Lehrer nämlich auch teilen. Und das manche Rektoren für 2 Schulen zuständig sind erwähne ich nur am Rande.
Ist auch toll für den Lehrer, der dann eine Woche vor Schulbeginn erfährt welchen Arbeitsweg er denn überhaupt hat und ob er eine Klasse übernimmt oder nicht.

HALLO!?!?!?

Es geht hier um unsere Kinder!

Es geht hier um unser aller Zukunft!

Es geht hier um uns alle!

WANN? WANN, WACHT DIE POLITIK DENN ENDLICH AUF???

Wir haben als Elternrat nun beschlossen damit nicht nur an das Bildungsministerium, sondern auch an die Presse zu gehen und ich halte Euch hier gerne auf dem Laufenden!

In diesem Sinne: Was würdest Du tun?

Nachtrag vom 01.09.2017: Auch in anderen Bundesländern gibt es diese Missstände, hier berichtet eine Blogger-Kollegin aus Köln / NRW!