Wie geht es weiter mit #lehrermangel & eine Antwort aus dem Kultusministerium

An alle Eltern die Ihre Kinder in den nächsten Jahren einschulen: DAS wird EUER PROBLEM SEIN!

Letzte Woche Donnerstag habe ich die Situation an unserer Grundschule beschrieben und diesen Blogbeitrag wild geteilt unter allen die es interessieren könnte und sollte. Vielen Dank an dieser Stelle an alle Eltern, Freunde und Leser, die das weitergeteilt haben, denn nur so machen wir auf uns aufmerksam. 🙂

Am Samstag erschien dann in der lokalen Presse so Einiges! Und auch im Radio und online konnte man viel hören und entdecken.

Titelseite Sächsische Zeitung

Innenteil Sächsische Zeitung

Bild Dresden

 

 

 

 

 

Titelseite Morgenpost

 

 

 

 

 

Innenteil Morgenpost

 

Online berichteten:

Sächsische Zeitung

DNN

Tag24

Radio Dresden

An allen Ecken werde ich angesprochen. Beim einkaufen, auf der Online-Medien-Konferenz, von Nachbarn und den Menschen die ich aus dem Kindergarten kenne. Alle hatten es gelesen. „Was ist denn da los?“ Und leider kann ich immer wieder nur sagen: „Das ist erst der Anfang!“ Die große Pensionierungswelle der Lehrer kommt erst in den nächsten Jahren. Und da die Politik in fast allen Bundesländern verschlafen hat sich um Nachwuchs zu kümmern, wird das die nächsten Jahre noch VIEL SCHLIMMER! 🙁

Montag dann die Antwort aus dem Kultusministerium:

Sehr geehrte Frau Leithe,   vielen Dank für Ihre Anfrage an das Sächsische Staatsministerium für Kultus. Ihre Sorgen und Bedenken und auch Ihren Unmut bezüglich des Unterrichtsausfalls kann ich nachvollziehen. Die Situation wollen wir auch nicht schön reden. Auch für unsere Schulen und die Kultusverwaltung ist die gegenwärtige Lehrerversorgungssituation alles andere als zufriedenstellend. Leider ist der Lehrerarbeitsmarkt deutschlandweit leer gefegt und es ist schwierig, geeignete Bewerber, vor allem  für unsere Bedarfsschularten Grundschule, Oberschule und die Förderschulen  und die Regionen jenseits von Dresden und Leipzig zu gewinnen. Der erhöhte Nachwuchsbedarf auf Grund des Generationswechsels an den sächsischen Schulen wird noch etwa zehn Jahre anhalten. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt festzustellenden deutschlandweiten Lehrermehrbedarf tragen viele Faktoren bei. Hauptursache ist sicherlich der Generationswechsel an den Schulen in allen ostdeutschen Bundesländern. Dazu gehören aber auch die Entwicklung der inklusiven Bildung, sowie die zunehmende Zuwanderung nach Deutschland. In Sachsen wurde es versäumt, vor etwa acht Jahren mit der Erhöhung der Ausbildungskapazitäten zu beginnen und gezielt für den Lehrerberuf zu werben. Inzwischen wurde aber die Anzahl der Studienplätze an den Universitäten für angehende Lehrer mehr als verdoppelt. Doch ehe ein Studienanfänger als fertig ausgebildeter Lehrer für den Schuldienst zur Verfügung steht, vergehen mindestens sechs Jahre. Gegenwärtig durchlaufen wir deshalb eine Durststrecke. Tatenlos schauen wir aber nicht zu. Wir haben eine Lehrerwerbekampagne gestartet (www.lehrer-werden-in-sachsen.de), vergeben Stipendien für Nachwuchslehrer, die in den ländlichen Regionen als Lehrer unterrichten wollen und werben auch außerhalb Sachsens um Lehrkräfte. Im Rahmen unseres Seiteneinstiegsprogrammes werden fachlich geeignete Hochschulabsolventen eingestellt und berufsbegleitend qualifiziert, um den Unterricht für alle Schüler in Sachsen abzusichern. Die sächsische Staatsregierung hat am 25. Oktober 2016 ein Maßnahmenpaket „Zukunftsfähige Schule“  mit einem finanziellen Gesamtvolumen von 213,5 Millionen Euro beschlossen. Damit wird der Lehrerberuf in Sachsen finanziell spürbar attraktiver gemacht. Die Kollegen an den Schulen vor Ort konzentrieren sich darauf, den Unterrichtsausfall zu minimieren. Mit einem Vertretungslehrerprogramm der Sächsischen Bildungsagentur werden sie dabei unterstützt. Insgesamt stellt die aktuelle Situation für alle daran Beteiligten eine große Herausforderung dar. Sehr geehrt Frau Leithe, für Rücksprachen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.  
Mit freundlichen Grüßen
Christine Onusseit
Beauftragte für Bürgeranliegen  
SÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR KULTUS

Dienstag nun ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung und nochmal Tag24 .

Parteimäßig haben die FDP und die Grünen sich eingesetzt und reagiert, aber ansonsten halten sich die Parteien im Wahlkampf sehr zurück! 🙁

Heute ein kleines Telefoninterview und eventuell in den nächsten Tagen weitere Pressetermine. Wir müssen dieses Thema viel stärker in die Öffentlichkeit zerren. Gerade die Eltern die Ihre Kinder in den nächsten Jahren einschulen werden, müssen wissen was da auf sie zukommt! DIE sollten JETZT mit uns auf die Barrikaden gehen. Bis das Problem auch nur annähernd gelöst werden könnte, sind meine Kinder nämlich aus der Grundschule raus!

In diesem Sinne: Was wollen wir tun?

Die Sache mit dem Farbmalkasten! Ein Drama in 3 Akten!

Erster Akt – Sichtung der Schulmaterial-Listen meiner drei Kinder

Die TeenagerTochter wechselt von der 8. Klasse in die 9. Klasse, braucht bisher nur ein paar bunte Papphefter und die habe ich auf Verdacht schon vor ein paar Wochen mal in rauen Mengen und allen Farben mitgebracht. Den Rest kauft sie dann auf Zuruf der Lehrer nach den Ferien selber.

Läuft!

Das Spanienkind wechselt nach der 4. Klasse nun auf die weiterführende Schule und benötigt eine sehr umfangreiche Grundausstattung an ALLEM, aber ich bin ja nicht Neu in der „Branche“ und das meiste ist kein Problem. Ich erstelle eine Liste von den Sachen die ich nicht in meinem Fundus habe (ich spiele das Spiel schließlich seit 9 Jahren, da hat man sowas *angebergrins*), gehe einfach in den Markt mit der größten Auswahl und suche mir das Zeug zusammen.

Läuft also auch!

Der Sonnenschein wird in 1,5 Wochen eingeschult. Zur Einschulung nehme ich aus dem Leithschen Fundus natürlich nur die noch ungenutzten Sachen. Und alles Andere kaufen wir niegelnagelneu, das musste ich Ihr versprechen. Die Arme muss hier immer alles auftragen, da bekommt sie für so einen besonderen Anlass selbstverständlich alles neu. … Außer … ja, AUSSER den Farbmalkasten. Davon haben wir nämlich inzwischen genau 4 Stück im Haus.

Nr. 1 ist mein alter Malkasten aus meiner Schulzeit. Gefühlte 128 Jahre her, aber der wird hier genutzt seit das erste Kind den Pinsel halten kann.
Nr. 2 und 3 sind die Malkästen der TeenagerTochter und des Spanienkindes. Jeweils gekauft zur seinerzeitigen Einschulung. Beim Ersten hab ich mich über die hässliche Form gewundert und beim Zweiten NOCH EINEN kaufen zu müssen. Denn da war mir der Ober-Preis-Schwachsinn schon aufgefallen. Aber dazu später.
Nr. 4 ist der Malkasten den das Spanienkind von der Klassenlehrerin bekam, die immer alle Materialien besorgt, damit alle das Gleiche haben. Was ich für gut Geheiße, aber beim Kauf der Nr. 3 noch nicht wusste. *augenroll*

Zweiter Akt – Alte Sachen durchsehen, säubern, Liste für Neues erstellen

Wie oben erwähnt hatte ich mich beim Kauf für das Spanienkind vor 4 Jahren bereits über Preise gewundert. Ich bemerkte im Markt, dass die Ersatzfarben für den vorhandenen Farbkasten im Vergleich zu einem neuen Farbkasten (der im Angebot war) recht teuer waren. Ich entschied mich im Markt also statt der benötigten Ersatzfarben auch dem Spanienkind einen Neuen zu „gönnen“ und war stolz ein Schnäppchen gemacht zu haben. Selbst das mit dem Wasserfarbkasten, den es aus der Schule gab, störte mich ob des Schnäppchens nicht.

Und auch diesmal überlegte ich wieder wie ich das mit dem Farbkasten machen wollte. Alles in mir sträubte sich einen fünften Wasserfarbmalkasten zu kaufen. Ich sah mir also das Modell der TeenagerTochter an, der nun seit 4 Jahren aus Ihren Grundschultagen ungenutzt rumstand. Denn im Gymnasium brauchten sie selbstverständlich *genervtaufguck* ganz andere Farben aus der Tube und den alten Kasten hielt sie in Ihrem Zimmer unter strengstem Verschluss. Als ich Ihn vor ein paar Monaten durch Zufall fand, kassierte ich den für die Lütte ein. Es waren 6 von 12 Farben stark aufgebraucht und ich notierte diese, mit Spannung ob des Preises, auf meiner Liste für den Einkauf.

Bei der Bearbeitung der Liste des Spanienkindes fiel mir dessen Kunst-Pappkarton samt dem Farbmalkasten in die Hände und ich stellte a) fest, dass er für die Oberschule auch neue Tubenfarbe brauchte und b) dass sich sein Malkasten gendermäßig total anders abgenutzt hatte als bei der großen Tochter. Und siehe da, als ich die wilde Tauscherei beendet hatte, fehlte nur noch eine einzige Farbe. *jubel*tanz*freu* Über was frau sich als Mutter so alles freuen kann. *lach*

 

Dritter Akt – Der Einkauf

Ich fuhr mit dem Sonnenschein in den Markt. Über die Suche der Hefte gibt es eventuell einen eigenen Beitrag! *augenvölligverdreh* Hier und heute soll es schließlich nur um die Wassermalfarben gehen. Nach langer Suche fand ich in Regal 587 die Ersatzfarben. Und siehe da sie kosten 1,19 Euro pro Stück. Ich schnappe mir das als einziges benötigte Blau, klopfe mir nochmal auf die Sparschweinschulter und bekomme nur eine Reihe tiefer dann den Schock. Der gesamte Kasten mit 12 Farben ist WIEDER im Angebot und kostet nur 5,49 Euro.
Das heißt wenn ich meine erst geplanten sechs Ersatzfarben gekauft hätte wäre das 1,65 Euro teurer gewesen als ein neuer Kasten.

Ich fasse es nicht! Ist das Masche? Ist der IMMER im Angebot? Was soll das? Ich denke wir versuchen Müll zu vermeiden, oder? ODER? Was hat eine Firma wie Pelikan denn davon einen ganzen Kasten zu verkaufen, als nur die Ersatzfarben? Es will in meinem Hirn einfach nicht „klick“ mit einer plausiblen Erklärung machen! *kopfschüttel*

Wir haben jedes Jahr ca. 35.000 Einschulungen in Sachsen. Lass 50% das älteste Kind sein, macht 17.500 Schüler die ein Geschwisterkind sind. Lass nur 20% der Eltern so denken wie ich und 80% einen neuen Malkasten kaufen (Meine ganz private Vermutung!). Sagen wir mal 50% davon behalten den vom großen Geschwisterkind oder verschenken Ihn. Dann landen jährlich immernoch 7.000 Stück davon auf der Mülldeponie oder in der Verbrennungsanlage. *schluck* NUR in Sachsen!!!

Das ließ mir keine Ruhe! Ich guckte online. Aber da ist es noch viel schlimmer.
Das Universum passte aber wie immer vorzüglich auf mich auf! *schmunzel*

Ich hatte im Markt das Farbtöpfchen in den Korb getan. Beim quatschen mit der dort getroffenen Nachbarin an der Kasse habe ich es auch noch gesehen. Aber beim Sortieren der gekauften Sachen, zuhause in den entsprechenden Ranzen, fehlte es dann. Auf dem Beleg ist es wenigstens nicht. Und als ich kurz davor bin auszurasten, fiel mein Blick auf den Malkasten der Großen. Die hatte nämlich den mit Sonderausstattung unten. 12 Extra Farben! Und da gab es doch tatsächlich ein anderes Blau! Yieppieh! Raus geklickt. Sauber gemacht, wie schon die anderen Farben und ich finde der „neue“ alte Farbmalkasten kann sich echt sehen lassen.

Ich bin oberstolz auf mich KEINEN neuen Malkasten gekauft zu haben. *schmunzel* Mit der neuen Tube Deckweiß und neuen Pinseln ist das doch 1A!

Und nun soll Pelikan mir diese Preispolitik mal bitte erklären. Und ja, ich habe schon mal von Angebot und Nachfrage gehört. Aber DAS kann doch wohl echt nicht wahr sein. *empörtdiehändeindiehüftestemmundwütendmitdemrechtenfussauftipp*

In diesem Sinne: Seid doch bitte alle mal UMWELTFREUNDLICH, AUFMERKSAM, NACHHALTIG!!! Ihr wisst schon wie ich meine, oder?

Leserbrief aus Bayern zum Thema Einschulung verschoben!

Mein Artikel über die Rückstellung des Sonnenschein hat superviele Reaktionen hervorgebracht. Unter anderem diesen Leserbrief von S. aus M., den ich Euch nicht vorenthalten möchte! 🙂

„Was du da letztes Jahr zwecks Zurückstellung erlebt hast, habe ich vor 7 Jahren mit meinem Sohn auch durchstehen müssen… Über dieses Thema könnte ich ein Buch schreiben.
Um es kurz zu machen: Mir hat damals meine Mutter (sie war Grundschullehrerin) sehr gefehlt und ich habe in dieser schweren Zeit sehr oft an sie gedacht. Was hätte mir Mama denn als Mutter bzw. Oma und als Lehrerin geraten? Und da kam mir immer nur eine Antwort in den Sinn: „Ach Tochter, lieber etwas ältere Kinder in die Schule schicken, als zu junge Kinder.“
Meine Mutter erzählte mir oft, dass sie es damals zutiefst bereut habe meinen Bruder (Geburtstag Ende Juni) mit knapp 6 viel zu früh eingeschult zu haben. Diesen Fehler hat sie bei mir (Geburtstag Ende Juli) dann nicht wiederholt. Sie erzählte mir auch, dass das ein riesengroßer Unterschied und eine Offenbarung war (Konzentration, Hausaufgaben, Sozialverhalten, usw.). So haben wir unseren Sohn ( Geburtstag August/ Stichtag September) guten Gewissens und mit viel Behördenkram auch erst mit 7 eingeschult! Er hat sehr spät und relativ schlecht gesprochen (mittlerweile alles prima) und die Konzentration war ebenfalls alles andere als gut. Wir haben ihn dann 2 mal in der Woche (Montag und Mittwoch) von 9-12 Uhr in eine Vorschule geschickt und die anderen 3 Tage in den Kindergarten. Das war der goldene Mittelweg und die Vorschule ein Glücksgriff!! In der Vorschule waren zurückgestellte Kinder mit ähnlichen Defiziten und die Therapeuten haben den Kindern spielend in Form von Ergotherapie und mit dem Marburger Konzentrationsprogramm so sehr geholfen. Das war einfach unglaublich! So hatte er sowohl Spielschule als auch Kindergarten. Und er hat die Spielschule geliebt!!!!
Ich finde Du hast alles richtig gemacht!“

Daraufhin fragte ich sie ob es in Bayern schwer war ihn zurückstellen zu lassen?

Ziemlich…
Es ist hier in Bayern von vielen Faktoren abhängig. Zuerst Schularztuntersuchung.
Dann musste ich mit ihm zur
Caritas (Schulspiel, 5!! Stunden lang).
Dann Bestätigung der Caritas, dass er nicht geeignet ist. Aber mit diesem Bescheid der Caritas ist das so ne Sache. Wenn Rektoren diesen Bescheid lesen, schicken manche Rektoren diese Kinder dann auf eine Sonderschule oder auf ein Schule für schwer erziehbare Kinder oder sie bewilligen die Zurückstellung.
Je nachdem wie das Kind sich dann in der Schuleinschreibung verhält, heißt es dann also entweder, ein Jahr zurückgestellt oder Sonderschule…. Das entscheidet allein der Rektor.

Wir hatten mit unserer Rektorin richtig viel Glück!!! (älteres Kaliber und viel Erfahrung, selbst Mutter zweier Söhne, hat die gleiche Erfahrung gemacht wie meine Mutter). Sie sagte immer, das schlimmste in der Grundschule seien junge Jungen. Da klingelten bei mir natürlich beide Ohren! Außerdem kannte sie mich, da ich an der Schule bereits Lesepatin war und sie zudem unseren älteren Sohn sehr mochte. Es gibt aber auch Rektoren (Nachbarort z.B.) die stellen grundsätzlich nicht zurück. Da mussten dann zu früh eingeschulte Kinder die 1. Klasse wiederholen!!!!
Als ich den Bescheid hatte, dass unser Sohn ein Jahr später eingeschult wird, habe ich erst einmal ne Flasche Prosecco aufgemacht! 
Dann aber kam das Problem mit dem Kindergarten!
Die wollten ihn nicht 2 Tage in der Woche zur Vorschule gehen lassen (wegen irgendwelcher Richtlinien) die sagten dann entweder 5 Tage oder gar nicht. Ich wollte gar nicht weniger zahlen, habe sogar das Mittagessen für die 2 ausgelassenen Tage bezahlt. Nach unzähligen Mails, Briefen und vielen Tränen ging es dann doch. Habe alle Instanzen der Stadt München (städtischer Kiga, nie wieder) durchtelefoniert usw. Es war brutal anstrengend, aber es hat sich gelohnt!! Sei froh, dass es bei euch anscheinend leichter war.“
Vielen Dank an S., dass ich das veröffentlichen durfte! 🙂
In diesem Sinne: Aus welchem Bundesland kommst du, und hast du auch schon Erfahrungen mit einer Rückstellung gemacht?