Einschulung! Andere Länder, andere Sitten! … oder das Zuckertütenfest und seine Folgen!

Geboren in NRW ging ich seinerzeit am ersten Schultag nach den Ferien mit einer Schultüte und dem neuen Ranzen, stolz wie Bolle, endlich in die Schule. An mehr erinnere ich mich nicht, und mehr war vermutlich auch nicht! Es gibt ein Foto von mir mit Tüte und Ranzen vor der Haustür!
Thats it!

Zum ersten Mal Mutter wurde ich in Bayern. Dort erlebte ich die mir bekannte Art der Einschulung vom Küchenfenster aus, denn uns gegenüber war die örtliche Schule.

Unsere Älteste wurde nach dem Umzug von Bayern nach Spanien mit 3 Jahren dann in die „Educación Prescolar“ eingeschult. Ohne weiteres Brimborium!

Zurück in Deutschland/NRW war sie dann noch nicht schulpflichtig und ging wieder in den Kindergarten. Die Einschulung in Nordrhein Westfalen war dann aber ähnlich wie meine. Da es eine katholische Schule war, begann der Tag am ersten Schultag nach den Ferien mit Ranzen und Schultüte in der Kirche. Nach der Messe ging es in die Schule. In der Turnhalle gab es zur Begrüßung eine Aufführung der nun 4.Klässler. Anschließend eine Unterrichtsstunde für die Erstklässler und Kaffee für die Eltern auf dem Schulhof. Die Oma war als einziger Gast dabei, für Mittags hatte ich besonderes Fingerfood vorbereitet und Nachmittags kam noch die Patentante zu Kaffee & Kuchen. Die Schultüte wurde auf dem Boden ausgekippt, zwei -drei kleine Geschenke ausgepackt, aber das wars! Ich gebe zu, das ich am Rande den Schultüten-Bastel-Wahn der anderen Mütter mitbekam. Ich Sparfuchs hatte aber wohlweislich im Felix-Spiegelburg-Lagerverkauf im Vorjahr bereits mit dem Schulranzen auch bei den Schultüten für je 1,00 Euro schon zugeschlagen, und war von daher raus aus der Bastelnummer. *zwinker*

Das heutige Pubertier bei Ihrer Einschulung in Neuss!

Das heutige Pubertier bei Ihrer Einschulung in Neuss!

So Weit! So Gut!

Aber dann, dann zogen wir nach Sachsen! Dort kam unser in Spanien geborener Sohn in die Schule und ich plante die Nummer so, wie ich es kannte. Es gab eine neue Jeans (ohne Löcher an den Knien) und ein schickes T-Shirt (ohne Flecken), beides legte ich für die Einschulung beiseite. Für die Schultüte, die hier Zuckertüte heißt, hatte ich (gestehendes Sparschwein und vielleicht auch Mini-Messie) ja noch die, die ich damals im Lagerverkauf besorgt hatte. Wenn es die für einen Euro gibt, hatte ich natürlich gleich mehrere besorgt! Da sie ein wenig bei Umzug und Lagerung gelitten hatten beklebte ich die kurzerhand mit alten Jeans. Als Besuch hatte sich die Oma wie immer angesagt. Ende Gelände!

DACHTE ICH!

Anfang der Ferien grillten wir mit Nachbarn und ich erntete den ganzen Abend abwartende Blicke! Irgendwann dann die Fragen, ob wir nicht noch was zu erzählen hätten. Langsam beschlich mich das Gefühl ich hätte zugenommen und alle rechneten mit dem Schwangerschafts-Outing. *böseguck* Irgendwann platzte mir der Kragen und ich fragte auf was sie denn warten würden! … Na auf die Einladung zur Schuleingangsfeier! … Zur WAS? … Na zur Schuleinführung!

Man klärte mich auf!

In Sachsen wird die Einschulung gefeiert wie die goldene Hochzeit! Am letzten Samstag in den Ferien! Mit feudalem Mittagessen im Kreise der GESAMTEN Familie! … „Hast du denn noch in keinem Restaurant oder Hotel gebucht?“ … Alle machen sich chic! Es gibt Unmengen an Geschenken! Und am Nachmittag und/oder Abends feiert man dann Zuhause weiter, und dann kommen die Nachbarn noch dazu! … „Also, wann sollen wir kommen?“

Ähh! *räusper*

Ich konnte gar nicht antworten! Ich dachte ein paar Tage darüber nach! Ich kenne aus NRW, genauer gesagt dem Landleben im Münsterland, dass man die Nachbarn am Tag nach der Kommunion zum quasi Reste-Essen einläd, aber zur Einschulung??? *staun* Ich wollte mich ja nun auch nicht stur stellen und die ortsüblichen Sitten total missachten, aber andererseits wollte ich es a) einfach nicht übertreiben und b) die Einschulung der Großen im Nachhinein nicht schlechter dastehen lassen. Das hätte ich Ihr gegenüber als Unfair empfunden.

Die Eventmanagerin in mir einigte sich also mit der Mutter in mir auf einen Kompromiss: Wir laden keine weitere Familienmitglieder ein, wir gehen irgendwo schön essen und laden die engsten Nachbarn auf Kaffee & Kuchen ein. Gesagt! Getan!

Man warnte mich vor, dass ich sicherlich keinen Tisch mehr bekäme. „Das Kongresscenter ist immer schon Monate im Voraus ausgebucht!“ – „DAS KONGRESSCENTER?“ – „Ja, die stellen da 50 runde 10er-Tische auf und dann kann man die für sich und seine Gäste mieten und Essen buchen. Aber da man ja pro Familie so 3-4 Tische braucht, sind die immer schnell weg.“ *staun* Ich rief 2-3 unserer Lieblingsrestaurants an und wurde einfach nur ausgelacht. Da wäre ich ja mal SOWAS von zu spät. „Um ne Reservierung für dieses Dadum müssn se sich mindesdens een Jahr vorher schon gümmern.“ … und legten wieder auf. *staunteimmernoch* Dann entdeckte ich ein total cooles Restaurant, was in Dresden neu aufmachte (von dem habe ich hier schon mal berichtet) und dort erwischte ich einen Tisch für uns 6 Personen!

Gleichzeitig trudelte auch der Terminzettel der Schule ein.

Ich las aufmerksam was da alles stand.

Erster Gedanke: Gut das wir hier vorab keine Messe in der Kirche aussitzen müssen. 🙂

Zweiter Gedanke: Cool, da wir Schulgebäudetechnisch noch immer für eine Sanierung der historischen wunderschönen Grundschule ausgelagert waren in eine andere Schule mit viel Platz, und die dortige Turnhalle nicht reichte für eine gleichzeitige Einschulung zweier Schulen, bekamen wir die zweite Schicht und mussten erst um 11:00 Uhr dort sein. 🙂

Dritter Gedanke: Die wollen WAS? Ich soll die Schultüte bis 09:00 Uhr in der Schule abgegeben haben? Die lag durch Auslagerung wegen Sanierung leider nicht wie normal im Nachbarstadtteil, sondern 6 Stadtteile weiter entfernt und ca. 20 Minuten zu fahren. EIN WEG! Glauben die ernsthaft ich setze mich an diesem Morgen, wo ich mit 3 Kindern und Besuch wahrlich andere Sorgen habe als eine Schultüte quer durch die Stadt zu fahren, vor dem Frühstück für 40 Minuten ins Auto und bringe die Zuckertüte da hin? Hier! *mitdemzeigefingerandiestirntipp*

Da ich an der Schule bereits im Elternrat bin und auch zum Tag der offenen Tür geholfen hatte, erfuhr ich den Grund! Die Einschüler dürften doch auf gar keinen Fall Ihre Zuckertüte VOR DER EINSCHULUNG sehen und diese würde schließlich feierlich von einem „Patenkind“ aus der 4. Klasse übergeben. Tja, da ich Ihm die liebevoll gestaltete Schultüte aber Zuhause selber überreichen und direkt Fotos machen wollte, unterließ ich den morgendlichen Bringdienst auf eigene Verantwortung und es war mir wie immer egal dadurch aufzufallen. *frechgrins* Aufgefallen sind wir dann auch mit der Schultüte, aber dazu später.

Der große Tag

An der Kleiderordnung änderte ich nix und für den Nachmittag bereitete ich süße und herzhafte Kuchen vor. Ich legte die Sachen raus und kündigte an, dass wir bitte die obligatorischen Fotos nicht vergessen sollten. Der Sohn wollte sich besonders schön machen und schnitt sich am Vorabend selber eine coole Frisur, die leider zu einem Loch oberhalb der Stirn führte. *hysterischkreischendversuchteichlockerzubleiben*

Das Spanienkind bei seiner Einschulung in Dresden!

Das Spanienkind bei seiner Einschulung in Dresden!

Wir fuhren rechtzeitig los. Die 3 Kinder waren angezogen, der Nachmittag und seine Köstlichkeiten waren soweit vorbereitet. Die Omma wurde immer nervöser. Ich blieb ruhig! Trotzig ruhig, denn die Zuckertüte befand sich noch immer in unserer Obhut. Wir erreichten die Schule. Parkten. Stiegen aus. Neben uns ein großes Auto aus dem eine dermaßen geschniegelte und gestriegelte Familie ausstieg, wie ich sie zum letzten Mal im überkandideltsten Stadtteil Düsseldorfs gesehen hatte. Der Erstklässler im schwarzen Nadelstreifenanzug mit passender Weste und Lackschuhen, und auch der Rest der Familie sah frisch nach Coupeur, Coiffeur und sonstigem Gedöns aus. Ich überlegte ob sie sich im Stadtteil geirrt hatten, oder ob wir vielleicht doch nicht nur wegen der Schultüte auffallen würden. Egal, wir machen diesen Hype nicht mit! Bitte einfach weitergehen! *nasehochstreck*

Erleichtert stellte ich auf dem Schulhof dann fest, dass zwischen UNS und DENEN aber auch noch alle möglichen anderen Dresscodes erfüllt wurden. Die zukünftige Klassenleiterin des Spanienkindes entdeckte mich und scheuchte mich mit bösem Blick in den Raum für die Zuckertüten. Ob der böse Blick der verspäteten oder der „mikerigen“ Schultüte galt, weiß ich bis heute nicht. Denn als ich in den Raum kam, in dem bereits 47 Zuckertüten, strategisch beschriftet, in der richtigen Reihenfolge aufgereiht, auf Ihren wichtigen Auftritt warteten, war mit SOFORT klar mit WAS wir heute auffallen würden!

Dort lagen künstlerisch oberübertrieben designte Zuckertütenexemplare von monströser Größe! Wer behauptet Unsere währe farblich gendermäßig eindeutig, hat noch nie SOLCHE gesehen! Es gab eindeutige Zuckertüten für Jungs in blau, grün und/oder schwarz und es gab eindeutige Zuckertüten für Mädchen in rosa, pink und/oder rot. Jeweils verziert mit den gängigsten Lieblingsmotiven aus TV, Kino oder dem Lieblingsverein. Während unsere Schultüte dem Sohn stehend bis knapp über dem Bauchnabel reichte, waren diese vermutlich zwei Köpfe größer, was an den Dingen lag, die per Zellophan-Folie gehalten, oben aus der Schultüte herausguckten. Da gab es Fußbälle, Einhörner, Lichtschwerter, Fillypferde, Furbys und andere Abscheulichkeiten. Als ich später eine Tüte kurz halten sollte, war mir auch gleich klar, dass diese Exemplare auf gar keinen Fall (wie Unsere) im unteren Drittel mit Zeitungs- und Geschenkpapier ausgestopft sind, sondern randvoll mit Süßkram gefüllt. Unsere hatte im zweiten Drittel ein paar Süßigkeiten und im oberen Drittel ein leichtes sperriges Geschenk, damit eben nicht gleich am ersten Tag die Wirbelsäule des Erstklässlers in Mitleidenschaft gezogen wird.

O.k. ich wappnete mich also für den zu erwartenden enttäuschten Gesichtsausdruck, den er vermutlich an den Tag legen würde, wenn er diese „Prachtexemplare“ zu sehen bekommt.

Die Feierlichkeiten

Auch hier in Sachsen wurde von den Großen in der Turnhalle eine Aufführung kredenzt. Es gab Reden und bevor die neugierigen Neuschüler vollends aufgeregt in der ersten Reihe von den Bänken rutschten, dann endlich die Zuckertüten! Den Klassenraum lernten die zukünftigen Schüler noch gar nicht kennen. Der enttäuschte Blick blieb zum Glück auch aus, denn er liebt seine Schultüte, die noch heute in seinem Kleiderschrank aufbewahrt wird.

DOCH STOPP!

Bevor sich die Kinder aus der Turnhalle bewegen durften brach ein Elterngetümmel in den hinteren Reihen aus. Bewaffnete Väter schmissen sich mit Mörderobjektiven über die Stuhlreihen, dirigierten verbal lautstark und unter vollem Körpereinsatz Ihre Sprösslinge vor die aufgestellte Tafel mit der Aufschrift „1. Schultag“ und/oder auf die Bühne und erkämpften sich ebenfalls verbal, mit Ellenbogen und anderen Körperteilen den perspektivisch besten Platz vor dem zu knipsenden Ausschnitt.

Wir machten lieber draußen Familienfotos und fuhren dann anschließend essen. Nachmittags kamen dann die Nachbarn mit einer Geschenkeflut, die ich sonst auch nur von Kommunion/Konfirmation kenne. Und es gab weitere Zuckertüten. In verschiedenen Größen! Quasi von jedem Besucher eine. Hier heißt es ja schließlich Zuckertüten-Fest! *hmpf*

Das liegt nun schon 3 Jahre hinter uns. In der Zwischenzeit waren wir auf einer anderen Einschulung hier eingeladen, die zwar auch groß angelegt, aber echt noch human war. Aber letztes Wochenende wurden 5 unserer Nachbarkinder eingeschult. Und ich kann nur immer wieder sagen (und das als Eventmanagerin, die Ihr Geld damit verdient!): Die übertreiben das hier ein bisschen! *lach* Es war nicht nur in den Gärten alles superaufwändig geschmückt, hergerichtet, vorbereitet und für Unmengen an Gästen eingedeckt. Nein, es gab auch gleich 3 Feuerwerke am Abend.

Noch Fragen?

In diesem Sinne: Ich hoffe, aus vielen Gründen, die Einschulung der Lütten ist im nächsten Jahr wieder in NRW!

Heidenau, die Flüchtlinge und wie meine Kinder damit umgehen! #BloggerFuerFluechtlinge

Eigentlich wollte ich Dir heute berichten was so alles von mir angeleiert wurde für die Flüchtlinge in dieser Woche und hoffentlich in den nächsten Woche passieren und umgesetzt wird.

Aber als ich anfange zu schreiben, höre ich draußen Raketenböller! Normalerweise ist das an einem Samstag Abend völlig normal! Normalerweise sind es Böller, die für eine Hochzeit als Feuerwerk abgeschossen werden. In dem nahegelegenen Hotel wird fast jedes Wochenende eine gefeiert und das dazugehörige Feuerwerk ist pünktlich gegen 22:30 Uhr zu hören und bestaunen.
Doch jetzt ist es 20:35 Uhr und die Böller sind auch nicht zusammenhängend wir bei einem geplanten & abgestimmten Feuerwerk. Es sind nur 3 Schüsse, es sind Einzelschüsse und sie kommen aus Richtung Heidenau! Sofort kann ich mir denken was dort wieder los ist.

So langsam dämmert mir wie das für unsere Großeltern und Eltern war wenn dieses kurze aber brennende Gefühl in der Magengrube aufflammt und alle in den Luftschutzbunker mussten. Meine Oma hat mir sehr oft davon erzählt wie das war, mit meiner Mutter auf dem Arm. Und oft hatte sie dieses Gefühl noch Jahrzehnte später bei bestimmten Geräuschen. Natürlich hat mich das während der Berichte immer traurig gemacht. Aber erst heute Abend wird mir schlagartig klar wie das gewesen sein muss und mir steigen die Tränen in die Augen.

Und wenn ich mir nun vorstelle, wie es den Flüchtlingen geht, die unter Anderem genau davor geflüchtet sind. Die sich einfach in Sicherheit wiegen wollten, einfach durchschlafen möchten, ohne Angst, ohne diese Geräusche, ohne dieses Knallen ohne dieses brennende Gefühl im Bauch! Dann steigen die Tränen immer höher.

Es dauert keine 2 Minuten und alle 3 Kinder stehen neben mir. Besorgt und Verängstig. Natürlich haben sie die letzten Tage mitbekommen, wie sehr ich mich bei den Blogger für Flüchtlinge engagiere und natürlich haben sie auch mitbekommen, dass wir die Böller der Randalierer im Nachbarort letztes Wochenende bis zu uns hören konnten. Und da ist Ihnen gleich klar geworden, dass das da draußen kein schönes Feuerwerk ist.

Als ich es hörte habe ich gleich auf Twitter die bekannten Hashtags zu dem Thema durchgesehen aber es gab keine Meldung und auch jetzt ein paar Stunden später kann ich nichts finden.

Trotzdem habe ich sie beschwindelt und gesagt, dass das gar nicht die Böller aus Heidenau sein könnten, da das viel zu laut war, also vermutlich etwas mehr in der Nähe von uns gewesen ist. Ich stelle noch die Vermutung an, das wieder irgendwo Fußball läuft und da ein Tor gefallen sein wird. So war das während der WM im letzten Jahr immer. Ein Böllerschuss pro Tor. Nach mehreren Rückfragen ob ich wirklich sicher bin, machen wir eine Kerze für die Flüchtlinge an und sie gingen wieder ins Bett!

Und jetzt sitze ich hier und bin …. ja was bin ich? … ich bin nicht sicher wie ich das beschreiben soll! … ich bin schockiert?, erstaunt?, besorgt?, stolz? … das meine Kinder überhaupt reagieren. Ich hatte gehofft sie halten es wie sonst auch, für ein Feuerwerk.

Schockiert, denn ich habe das Gefühl diese Flüchtlingskatastrophe nimmt Ihnen einen Teil Ihres unbekümmerten Aufwachsens. Das lässt sich in diesen Tagen aber wohl nicht vermeiden. Da müssen wir nun alle durch und mir ist es wichtiger, dass die Kinder ganz natürlich mit solchen Situationen groß werden, dass sie miterleben wie unsere Welt sich verändert, als sie überzubehüten und dann auf die Welt da draußen loszulassen.
Erstaunt, dass auch sie dieses Bauchgefühl direkt entwickelt haben und sich Gedanken machen! Dass sie sofort Daran denken und nicht was harmloses.
Besorgt, was diese Gefühle, Gedanken, Sorgen in ihren Kinderseelen hinterlassen werden! Ich weiß, dass ist nichts im Vergleich zu dem was andere, bzw. die Flüchtlingskinder an Seelen-Narben zu verarbeiten haben, aber als Mutter schießen mir solche Sorgen nun mal durch den Kopf! Vor allem weil der Sonnenschein, auf dem Weg zum Spenden abgeben, vorletzte Woche im Auto plötzlich fragte: „Mama, wollen die Flüchtlinge mich dann tot machen?“
Stolz, weil sie sich gleich Gedanken machen, dass Menschen in unserer Nähe weh getan wird. Stolz das meine Erziehung genug Empathie weitergegeben zu haben scheint. Und auch ein bisschen stolz, dass ich Ihnen vorlebe wie positiv man mit dieser Veränderung in unserer „heilen Welt“ umgehen kann und keine Angst vor dem Neuen und vielleicht Fremden haben muss.

Ich werde aber auch den Gedanken nicht los was noch alles kommt und was das mit ihnen macht. Wir wohnen einfach zu nah dran und immer öfter möchte ich am liebsten einfach ein paar Sachen in Taschen, die Kinder ins Auto und uns auf die Autobahn packen. Weg hier! Weg von all dem Hass, der Feindseligkeit, dieser Wut  … es ist manchmal als könnte man sie körperlich fühlen und sie anfassen. All das möchte ich nicht. Nicht für meine Kinder! Sie sollen auch so eine tolle Kindheit haben wie ich sie hatte. Ich musste mich nie mit solchen Ungerechtigkeiten beschäftigen. Ich erinnere mich an Tschernobyl, ja, aber das war so weit weg! Das machte kurz Angst, aber das war dann irgendwann aus dem gegenwärtigen Bewusstsein wieder verschwunden.
DAS, was hier passiert, befürchte ich, wird aber noch sehr sehr lange in unserem Bewusstsein sein, und die Angst vor neuen Anschlägen auch, denn in unmittelbarer Nähe unseres Zuhauses sind weitere Erstaufnahmestellen in Bau!

Meine Nachbarinnen, die mich ja gebeten hatten „Denen ja wohl hoffentlich nichts von Eurem Kinderzeug zu spenden“, fragen nun: „Da musst du doch nun zugeben, dass das ja vermutlich kommen wird, und DAS wird ja wohl auch Dir nicht gefallen!“ Nein, dass da Randalierer kommen werden, das gefällt mir ganz und gar nicht. Aber das macht mich noch lange nicht zu einem Ich-bin-ja-kein-Nazi-ABER…-Menschen!

Die Kinder haben aus eigenem Antrieb Ihr Spielzeug sortiert und jede Menge gespendet. Ich hatte nur erwähnt das ich Kleidung spenden wollte.
Sie haben vor ein paar Wochen eine spontane Zirkusaufführung bei einem Grillfest im Innenhof veranstaltet und anschließend (eigene Idee!!!) Spenden für arme Familien gesammelt. Da ich die über die Ferien noch nicht wie geplant bei meinem ehrenamtlichen „Arbeitgeber“ Oxfam gespendet hatte, haben sie gestern entschieden, dass sie das Geld lieber an #BloggerFuerFluechtlinge spenden möchten. (Auch wenn einigen Nachbarn das nicht gefallen wird!)
Das Pubertier komponiert an einem Willkommenlied (ich wusste gar nicht das die sowas kann) und möchte Ihrer Klasse nächste Woche den Vorschlag machen damit ein Video zu drehen.

In diesem Sinne: Wie gehen Deine Kinder damit um? Sprecht Ihr über das Thema?