Einschulung verschoben … das Kind zurückstellen lassen … keine leichte Entscheidung!

Vor ziemlich genau einem Jahr bekamen wir nach den Sommerferien das Schreiben der Stadt, dass unsere Jüngste im Schuljahr 16/17 laut sächsischen Regeln schulpflichtig wäre. Wir wurden aufgefordert uns für eine der 4 Grundschulen in unserem Einzugsgebiet zu entscheiden und erfuhren gleichzeitig die möglichen 2 Termine für die Schulanmeldung.

Mir wurde mulmig! Sie ist 3 Wochen vor dem Stichtag geboren, zu dem Zeitpunkt also gerade mal 5 geworden und ich fand sie wär noch nicht soweit! Sie wäre eindeutig die Jüngste in der Klasse. Ich wollte das alles irgendwie für sie noch nicht. Aber die Frage war wollte nur die Glucke in mir das nicht? Wollte ich unser Nesthäkchen klein halten. Wollte ich nicht, dass sie groß wird? Traute ich Ihr viel zu wenig zu? War es wirklich der Kopf der das nicht wollte, oder doch das Herz? Was kann sich noch alles tun in dem Jahr bis zur Einschulung!

Ich hatte ja auch schon den Vergleich zu den beiden Großen. Die waren in dem Alter so ganz anders! Viel weiter!

Der Göttergatte, ganz der stolze Papa seiner drei Prachtexemplare, meinte nur: „NATÜRLICH geht die nächstes Jahr in die Schule!“ … aber ich finde, der verbringt als Vollzeit-Manager, wenn er nicht auf Geschäftsreise ist gerade mal 2 Stunden seines Tages mit der Bande. Am Wochenende ist er zwar körperlich, aber oft nicht geistig anwesend, sondern eher mit dem Kopf im Büro oder auf der nächsten Reise. Und ich finde so bekommt er einfach viel weniger mit von seinen Kindern. Ich bin schließlich hier die Vollzeit-Mama, Ansprechpartnerin für alle Sorgen, Entscheiderin, Fahrerin des Mama-Taxis, Pflasterverteilerin, Trösterin, Jederzeit-bereit-Mama, ich kenne das eben alles besser, oder? Das ist jetzt nicht böse oder abwertend gemeint, aber ich bin hier eben die Glucke. Was aber ja auch nicht immer gut ist. *grübel*

Du merkst schon, ich wollte sie schützen!
Aber ich wollte eben auch das Richtige machen und war mir nicht sicher was das war.

Die große Schwester, ein Jahr vor der Schulpflichtigkeit eingeschult, meinte nur: „Ist doch cool, dann fahren endlich mal zwei von uns zusammen morgens mit dem Schulbus! Ich war ja bei Einschulung vom Spanienkind gerade aufs Gymnasium gewechselt und muss nun mit nem anderen Bus fahren.“

Der große Bruder: „Ich pass schon auf die auf, Mama!“

Aber meine Bauchschmerzen blieben!

Vor den Ferien hatten wir ein Entwicklungsgespräch im Kindergarten gehabt. Im Vergleich zum Vorjahr hatte sie einen riesigen Entwicklungsschub gemacht. Endlich sprach sie deutlich und in ganzen Sätzen. Das hatte bei Ihr im Vergleich zu Ihren Geschwistern und gleichaltrigen Kindergartenkollegen am längsten gedauert. Motorisch ist sie topfit und auch ansonsten alles so wie es sein sollte. Auf die Frage was denn Sie von der bevorstehenden Einschulung hielte, teilte sie mir mit, dass man schon merke, dass Kinder die mit Ihr schulpflichtig sind und 4 Wochen später geboren wurden (also de facto ein Jahr älter), um einiges reifer wären. Vom Intellekt her würde sie das sicherlich schaffen, aber vom Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen sollte sie noch einiges zulegen um nicht unterzugehen. „Aber wir haben ja auch noch ein Jahr, vielleicht kommt das ja dann wenn sie nun hier im Kindergarten zu den Großen in die Vorschul-Gruppe wechselt.“

Der Sonnenschein ist nicht nur dünn, sondern sehr dünn. Sie ist so schmal, dass ich mir das Kind mit einem Ranzen überhaupt nicht vorstellen wollte. Wenn wir von der Schule des großen Bruders sprachen, oder wir Ihn dort abholten, meinte Sie aus vollster Überzeugung immer nur: „Isch geh da nich hin!“ Und das war auf keinen Fall eingeredet von mir, denn ich achtete sehr darauf das Thema nicht vor Ihr zu besprechen. Ich wollte mir erst selber absolut sicher sein.

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Dann kam der Anmeldetag und der Testunterricht. Ich vermerkte auf dem Fragebogen eine eventuelle Rückstellung der zukünftigen Schülerin und erkundigte mich beim Lehrer des Testunterrichts was er denn meine. „Also ein Jahr länger Kindergarten tut ja eigentlich allen Kindern gut!“ So eine pauschale Antwort brachte mich auch nicht wirklich weiter. *hmpf*

Ich wollte als finale Entscheidungshilfe den Besuch bei der Amtsärztin abwarten, die die Kinder wirklich auf Herz und Nieren für die Schultauglichkeit prüfen. Ich erinnerte mich, dass ich diesen Termin mit dem Spanienkind seinerzeit im März des Folgejahres hatte, und dachte so bei mir, dass sie sich vielleicht bis dahin in der Vorschul-Gruppe ohne die ganz kleinen Krippenkinder entwickelt hätte. Diesmal waren die Termine aber gleich im November.

Ich befragte meine Schwägerin, ihres Zeichens Grundschullehrerin in NRW, was sie denn meine. Da wir uns aber nur sehr selten sehen, kam von dort auch keine wirkliche Entscheidungshilfe. Eher bedenken, ob ich das wirklich durchziehen wolle. In NRW muss man nämlich zu jeder Menge weiterer Untersuchungen zu Schulpsychologen und Co. und es hat wohl schon Fälle gegeben, wo sich das Kind anschließend minderwertig vorkam, weil es nur noch getestet wurde.

Aussage einer Freundin in NRW: „Hier muss Dein Kind schon halb behindert sein um überhaupt zurückgestellt zu werden!“

Je mehr ich andere Mütter fragte, um so unsicherer wurde ich. Die meisten rieten mir das Kind in der Nacht vor der Untersuchung immer wieder zu wecken, damit es dann zur Untersuchung müde und unkonzentriert ist. Aber all das wollte ich nicht. Ich wollte ja eine objektive Meinung dieser Fachärztin und nicht auf Teufel komm raus mein Kind zurückstellen lassen.

Dann kam die Untersuchung.

Ich war erstaunlich ruhig. Ich hatte aber ja auch nichts zu verlieren. Ich war einfach nur gespannt was diese Ärztin über mein Kind denkt. Ganz ohne Vorbehalte!

Diese Ärztin, die geschätzt tausende von Kindern im Alter zwischen 3 und 7 Jahren, jedes Jahr begutachtet, ist doch die Superfachfrau für das Thema. Es ist nämlich dieselbe Ärztin, die ca. 2 Jahre vorher alle Kinder in der Kita besucht und jedes einzeln dahingehend untersucht, ob es gravierende Defizite gibt, die so noch frühzeitig erkannt und gegebenenfalls „behandelt“ werden können.

Der Sonnenschein betrat das Zimmer. Ein Arztzimmer wie beim Kinderarzt, eine Liege mit Kuscheltieren und drei zusammengeschobene Schreibtische. Auf dem Tisch, der der Tür am nächsten ist, lagen ein Blatt und ein Stift. An den Schreibtischen dahinter saßen jeweils rechts und links die Ärztin und Ihre Assistentin. Ich bin kurz irritiert, denn ich kenne die Assistentin, mir will aber nicht einfallen woher. (Tut auch nichts zur Sache, es ist die Mutter eines Mitschülers aus der Spanienkindklasse. 🙂 ) Die Ärztin stand auf, schüttelte mir die Hand und wies mich auf den Stuhl an Ihrem Schreibtisch ein. Die Assistentin holte den Sonnenschein von der Liege und den Kuscheltieren weg und begann mit Ihr die Aufgaben zu machen. Die Ärztin lenkte mich ab, in dem wir einen Fragebogen bearbeiten. Von den Untersuchungen meiner beiden Großen weiß ich ja, das frau sich als Mutter da nicht einmischen soll. Also alles geschickt eingefädelt.*zwinker*

Anschließend sieht sich die Ärztin die Testergebnisse an und nickt. Nickt sehr lange. Schiebt alles beiseite und dreht sich zu mir. Sie lächelt mich an und druckst herum. „Also, das sieht ja alles ganz gut aus!“ – Pause! – Guckt mich an! – Ich werde unsicher ob auf irgendeinem Zettel vielleicht doch gestanden hat das ich eine Rückstellung vielleicht und ganz eventuell wünsche. Oh Gott, denke ich, die will mich nun überzeugen das sie schulpflichtig ist! – Sie lächelt wieder. „Was würden sie denn sagen?“ – Pause! – JETZT werde ich nervös! Soll das etwa doch ICH entscheiden? Ich WILL das nicht entscheiden! – ich fange an zu stammeln – Ich will doch wissen was SIE denkt! Will sie mich jetzt etwa davon überzeugen, dass die Lütte in die Schule MUSS?! *schluck*

Ich reiße mich zusammen und sage vorsichtig: „Ganz ehrlich? Mein Gefühl sagt mir, dass sie noch nicht so weit ist!“

Da seufzt die Ärztin erleichtert, alle Anspannung im Raum entweicht und sie sagt: „Oh, Gott sei Dank, das war es was ich Ihnen nun schonend beibringen wollte!“ … wir lachen alle erleichtert eine Runde … Ich rufe erleichtert: „Haben sie etwa geglaubt ich wäre so eine ehrgeizige Mutter, die unbedingt die Kleene einschulen möchte?“ – „Sie glauben gar nicht wie oft wir diese Gespräche führen und Eltern überzeugen müssen, das ein weiteres Kindergartenjahr besser wäre!“ – „Nein Frau Doktor, ich habe so sehr gehofft das sie mein Gefühl bestätigen und ich war so unsicher ob ich damit richtig liege.“ Ich strahle sie an und sie macht direkt das Häkchen bei „nicht schulreif“ (oder was auch immer da stand) und ich kann Dir gar nicht sagen wie erleichtert ich war.

Bei der nächsten Elternratsversammlung auf dieser Schule (ich bin dort Elternrat der Spanienkind-Klasse) nahm mich der Rektor vorab an die Seite und fragte, ob die „Ausmusterung“ des Sonnenscheins auch mein Wunsch oder nur der der Ärztin wäre. Denn in Sachsen entscheidet über die Einschulung in letzter Instanz der Schulleiter. Ich nickte erleichtert und erzählte Ihm, dass wir das gemeinsam so sehen. „Gut, dann mach ich Ihnen die Rückstellung fertig!“ … zum Glück, denn an der Stelle hätte ich sonst mit allen Mitteln einer Löwenmutter gekämpft. Ich hatte ja nun die amtliche Bestätigung, dass mein Gefühl mich nicht getäuscht hatte!

Heute nun war ich zur Schulanmeldung 17/18 wieder in der Schule und es fühlte sich endlich richtig an.

In diesem Sinne: Mütter aller Länder, hört auf Euer Mutterherz!!!

Für mein Patenkind zur Einschulung! … Eine Schultorte!

Dieser Beitrag ist umgezogen auf meinen neuen Blog
„Mein Leben als Eventmanagerin …“
auf der neuen Website www.eventagentin.de!

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Einschulung! Andere Länder, andere Sitten! … oder das Zuckertütenfest und seine Folgen!

Geboren in NRW ging ich seinerzeit am ersten Schultag nach den Ferien mit einer Schultüte und dem neuen Ranzen, stolz wie Bolle, endlich in die Schule. An mehr erinnere ich mich nicht, und mehr war vermutlich auch nicht! Es gibt ein Foto von mir mit Tüte und Ranzen vor der Haustür!
Thats it!

Zum ersten Mal Mutter wurde ich in Bayern. Dort erlebte ich die mir bekannte Art der Einschulung vom Küchenfenster aus, denn uns gegenüber war die örtliche Schule.

Unsere Älteste wurde nach dem Umzug von Bayern nach Spanien mit 3 Jahren dann in die „Educación Prescolar“ eingeschult. Ohne weiteres Brimborium!

Zurück in Deutschland/NRW war sie dann noch nicht schulpflichtig und ging wieder in den Kindergarten. Die Einschulung in Nordrhein Westfalen war dann aber ähnlich wie meine. Da es eine katholische Schule war, begann der Tag am ersten Schultag nach den Ferien mit Ranzen und Schultüte in der Kirche. Nach der Messe ging es in die Schule. In der Turnhalle gab es zur Begrüßung eine Aufführung der nun 4.Klässler. Anschließend eine Unterrichtsstunde für die Erstklässler und Kaffee für die Eltern auf dem Schulhof. Die Oma war als einziger Gast dabei, für Mittags hatte ich besonderes Fingerfood vorbereitet und Nachmittags kam noch die Patentante zu Kaffee & Kuchen. Die Schultüte wurde auf dem Boden ausgekippt, zwei -drei kleine Geschenke ausgepackt, aber das wars! Ich gebe zu, das ich am Rande den Schultüten-Bastel-Wahn der anderen Mütter mitbekam. Ich Sparfuchs hatte aber wohlweislich im Felix-Spiegelburg-Lagerverkauf im Vorjahr bereits mit dem Schulranzen auch bei den Schultüten für je 1,00 Euro schon zugeschlagen, und war von daher raus aus der Bastelnummer. *zwinker*

Das heutige Pubertier bei Ihrer Einschulung in Neuss!

Das heutige Pubertier bei Ihrer Einschulung in Neuss!

So Weit! So Gut!

Aber dann, dann zogen wir nach Sachsen! Dort kam unser in Spanien geborener Sohn in die Schule und ich plante die Nummer so, wie ich es kannte. Es gab eine neue Jeans (ohne Löcher an den Knien) und ein schickes T-Shirt (ohne Flecken), beides legte ich für die Einschulung beiseite. Für die Schultüte, die hier Zuckertüte heißt, hatte ich (gestehendes Sparschwein und vielleicht auch Mini-Messie) ja noch die, die ich damals im Lagerverkauf besorgt hatte. Wenn es die für einen Euro gibt, hatte ich natürlich gleich mehrere besorgt! Da sie ein wenig bei Umzug und Lagerung gelitten hatten beklebte ich die kurzerhand mit alten Jeans. Als Besuch hatte sich die Oma wie immer angesagt. Ende Gelände!

DACHTE ICH!

Anfang der Ferien grillten wir mit Nachbarn und ich erntete den ganzen Abend abwartende Blicke! Irgendwann dann die Fragen, ob wir nicht noch was zu erzählen hätten. Langsam beschlich mich das Gefühl ich hätte zugenommen und alle rechneten mit dem Schwangerschafts-Outing. *böseguck* Irgendwann platzte mir der Kragen und ich fragte auf was sie denn warten würden! … Na auf die Einladung zur Schuleingangsfeier! … Zur WAS? … Na zur Schuleinführung!

Man klärte mich auf!

In Sachsen wird die Einschulung gefeiert wie die goldene Hochzeit! Am letzten Samstag in den Ferien! Mit feudalem Mittagessen im Kreise der GESAMTEN Familie! … „Hast du denn noch in keinem Restaurant oder Hotel gebucht?“ … Alle machen sich chic! Es gibt Unmengen an Geschenken! Und am Nachmittag und/oder Abends feiert man dann Zuhause weiter, und dann kommen die Nachbarn noch dazu! … „Also, wann sollen wir kommen?“

Ähh! *räusper*

Ich konnte gar nicht antworten! Ich dachte ein paar Tage darüber nach! Ich kenne aus NRW, genauer gesagt dem Landleben im Münsterland, dass man die Nachbarn am Tag nach der Kommunion zum quasi Reste-Essen einläd, aber zur Einschulung??? *staun* Ich wollte mich ja nun auch nicht stur stellen und die ortsüblichen Sitten total missachten, aber andererseits wollte ich es a) einfach nicht übertreiben und b) die Einschulung der Großen im Nachhinein nicht schlechter dastehen lassen. Das hätte ich Ihr gegenüber als Unfair empfunden.

Die Eventmanagerin in mir einigte sich also mit der Mutter in mir auf einen Kompromiss: Wir laden keine weitere Familienmitglieder ein, wir gehen irgendwo schön essen und laden die engsten Nachbarn auf Kaffee & Kuchen ein. Gesagt! Getan!

Man warnte mich vor, dass ich sicherlich keinen Tisch mehr bekäme. „Das Kongresscenter ist immer schon Monate im Voraus ausgebucht!“ – „DAS KONGRESSCENTER?“ – „Ja, die stellen da 50 runde 10er-Tische auf und dann kann man die für sich und seine Gäste mieten und Essen buchen. Aber da man ja pro Familie so 3-4 Tische braucht, sind die immer schnell weg.“ *staun* Ich rief 2-3 unserer Lieblingsrestaurants an und wurde einfach nur ausgelacht. Da wäre ich ja mal SOWAS von zu spät. „Um ne Reservierung für dieses Dadum müssn se sich mindesdens een Jahr vorher schon gümmern.“ … und legten wieder auf. *staunteimmernoch* Dann entdeckte ich ein total cooles Restaurant, was in Dresden neu aufmachte (von dem habe ich hier schon mal berichtet) und dort erwischte ich einen Tisch für uns 6 Personen!

Gleichzeitig trudelte auch der Terminzettel der Schule ein.

Ich las aufmerksam was da alles stand.

Erster Gedanke: Gut das wir hier vorab keine Messe in der Kirche aussitzen müssen. 🙂

Zweiter Gedanke: Cool, da wir Schulgebäudetechnisch noch immer für eine Sanierung der historischen wunderschönen Grundschule ausgelagert waren in eine andere Schule mit viel Platz, und die dortige Turnhalle nicht reichte für eine gleichzeitige Einschulung zweier Schulen, bekamen wir die zweite Schicht und mussten erst um 11:00 Uhr dort sein. 🙂

Dritter Gedanke: Die wollen WAS? Ich soll die Schultüte bis 09:00 Uhr in der Schule abgegeben haben? Die lag durch Auslagerung wegen Sanierung leider nicht wie normal im Nachbarstadtteil, sondern 6 Stadtteile weiter entfernt und ca. 20 Minuten zu fahren. EIN WEG! Glauben die ernsthaft ich setze mich an diesem Morgen, wo ich mit 3 Kindern und Besuch wahrlich andere Sorgen habe als eine Schultüte quer durch die Stadt zu fahren, vor dem Frühstück für 40 Minuten ins Auto und bringe die Zuckertüte da hin? Hier! *mitdemzeigefingerandiestirntipp*

Da ich an der Schule bereits im Elternrat bin und auch zum Tag der offenen Tür geholfen hatte, erfuhr ich den Grund! Die Einschüler dürften doch auf gar keinen Fall Ihre Zuckertüte VOR DER EINSCHULUNG sehen und diese würde schließlich feierlich von einem „Patenkind“ aus der 4. Klasse übergeben. Tja, da ich Ihm die liebevoll gestaltete Schultüte aber Zuhause selber überreichen und direkt Fotos machen wollte, unterließ ich den morgendlichen Bringdienst auf eigene Verantwortung und es war mir wie immer egal dadurch aufzufallen. *frechgrins* Aufgefallen sind wir dann auch mit der Schultüte, aber dazu später.

Der große Tag

An der Kleiderordnung änderte ich nix und für den Nachmittag bereitete ich süße und herzhafte Kuchen vor. Ich legte die Sachen raus und kündigte an, dass wir bitte die obligatorischen Fotos nicht vergessen sollten. Der Sohn wollte sich besonders schön machen und schnitt sich am Vorabend selber eine coole Frisur, die leider zu einem Loch oberhalb der Stirn führte. *hysterischkreischendversuchteichlockerzubleiben*

Das Spanienkind bei seiner Einschulung in Dresden!

Das Spanienkind bei seiner Einschulung in Dresden!

Wir fuhren rechtzeitig los. Die 3 Kinder waren angezogen, der Nachmittag und seine Köstlichkeiten waren soweit vorbereitet. Die Omma wurde immer nervöser. Ich blieb ruhig! Trotzig ruhig, denn die Zuckertüte befand sich noch immer in unserer Obhut. Wir erreichten die Schule. Parkten. Stiegen aus. Neben uns ein großes Auto aus dem eine dermaßen geschniegelte und gestriegelte Familie ausstieg, wie ich sie zum letzten Mal im überkandideltsten Stadtteil Düsseldorfs gesehen hatte. Der Erstklässler im schwarzen Nadelstreifenanzug mit passender Weste und Lackschuhen, und auch der Rest der Familie sah frisch nach Coupeur, Coiffeur und sonstigem Gedöns aus. Ich überlegte ob sie sich im Stadtteil geirrt hatten, oder ob wir vielleicht doch nicht nur wegen der Schultüte auffallen würden. Egal, wir machen diesen Hype nicht mit! Bitte einfach weitergehen! *nasehochstreck*

Erleichtert stellte ich auf dem Schulhof dann fest, dass zwischen UNS und DENEN aber auch noch alle möglichen anderen Dresscodes erfüllt wurden. Die zukünftige Klassenleiterin des Spanienkindes entdeckte mich und scheuchte mich mit bösem Blick in den Raum für die Zuckertüten. Ob der böse Blick der verspäteten oder der „mikerigen“ Schultüte galt, weiß ich bis heute nicht. Denn als ich in den Raum kam, in dem bereits 47 Zuckertüten, strategisch beschriftet, in der richtigen Reihenfolge aufgereiht, auf Ihren wichtigen Auftritt warteten, war mit SOFORT klar mit WAS wir heute auffallen würden!

Dort lagen künstlerisch oberübertrieben designte Zuckertütenexemplare von monströser Größe! Wer behauptet Unsere währe farblich gendermäßig eindeutig, hat noch nie SOLCHE gesehen! Es gab eindeutige Zuckertüten für Jungs in blau, grün und/oder schwarz und es gab eindeutige Zuckertüten für Mädchen in rosa, pink und/oder rot. Jeweils verziert mit den gängigsten Lieblingsmotiven aus TV, Kino oder dem Lieblingsverein. Während unsere Schultüte dem Sohn stehend bis knapp über dem Bauchnabel reichte, waren diese vermutlich zwei Köpfe größer, was an den Dingen lag, die per Zellophan-Folie gehalten, oben aus der Schultüte herausguckten. Da gab es Fußbälle, Einhörner, Lichtschwerter, Fillypferde, Furbys und andere Abscheulichkeiten. Als ich später eine Tüte kurz halten sollte, war mir auch gleich klar, dass diese Exemplare auf gar keinen Fall (wie Unsere) im unteren Drittel mit Zeitungs- und Geschenkpapier ausgestopft sind, sondern randvoll mit Süßkram gefüllt. Unsere hatte im zweiten Drittel ein paar Süßigkeiten und im oberen Drittel ein leichtes sperriges Geschenk, damit eben nicht gleich am ersten Tag die Wirbelsäule des Erstklässlers in Mitleidenschaft gezogen wird.

O.k. ich wappnete mich also für den zu erwartenden enttäuschten Gesichtsausdruck, den er vermutlich an den Tag legen würde, wenn er diese „Prachtexemplare“ zu sehen bekommt.

Die Feierlichkeiten

Auch hier in Sachsen wurde von den Großen in der Turnhalle eine Aufführung kredenzt. Es gab Reden und bevor die neugierigen Neuschüler vollends aufgeregt in der ersten Reihe von den Bänken rutschten, dann endlich die Zuckertüten! Den Klassenraum lernten die zukünftigen Schüler noch gar nicht kennen. Der enttäuschte Blick blieb zum Glück auch aus, denn er liebt seine Schultüte, die noch heute in seinem Kleiderschrank aufbewahrt wird.

DOCH STOPP!

Bevor sich die Kinder aus der Turnhalle bewegen durften brach ein Elterngetümmel in den hinteren Reihen aus. Bewaffnete Väter schmissen sich mit Mörderobjektiven über die Stuhlreihen, dirigierten verbal lautstark und unter vollem Körpereinsatz Ihre Sprösslinge vor die aufgestellte Tafel mit der Aufschrift „1. Schultag“ und/oder auf die Bühne und erkämpften sich ebenfalls verbal, mit Ellenbogen und anderen Körperteilen den perspektivisch besten Platz vor dem zu knipsenden Ausschnitt.

Wir machten lieber draußen Familienfotos und fuhren dann anschließend essen. Nachmittags kamen dann die Nachbarn mit einer Geschenkeflut, die ich sonst auch nur von Kommunion/Konfirmation kenne. Und es gab weitere Zuckertüten. In verschiedenen Größen! Quasi von jedem Besucher eine. Hier heißt es ja schließlich Zuckertüten-Fest! *hmpf*

Das liegt nun schon 3 Jahre hinter uns. In der Zwischenzeit waren wir auf einer anderen Einschulung hier eingeladen, die zwar auch groß angelegt, aber echt noch human war. Aber letztes Wochenende wurden 5 unserer Nachbarkinder eingeschult. Und ich kann nur immer wieder sagen (und das als Eventmanagerin, die Ihr Geld damit verdient!): Die übertreiben das hier ein bisschen! *lach* Es war nicht nur in den Gärten alles superaufwändig geschmückt, hergerichtet, vorbereitet und für Unmengen an Gästen eingedeckt. Nein, es gab auch gleich 3 Feuerwerke am Abend.

Noch Fragen?

In diesem Sinne: Ich hoffe, aus vielen Gründen, die Einschulung der Lütten ist im nächsten Jahr wieder in NRW!